Protestkultur in der (Corona-)Krise?
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Protestkultur in der (Corona-)Krise?

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Im September des letzten Jahres mobilisierte die „Fridays for Future“-Bewegung weltweit Millionen von Menschen, die in den Metropolen, den Großstädten und auch in den ländlichen Regionen wie dem Oldenburger Münsterland für eine klimapolitische Wende demonstrierten. Dabei kamen die deutschlandweiten Demonstrationen zur Klimakrise mit der Covid-19-Pandemie zum Stillstand. Wie steht es um die „Fridays for Future“-Bewegung in Zeiten der Corona-Krise?

Parallel zur „Containment-Politik“ des Bundes und der Landesregierungen konzentrierten sich die Aktivisten und Aktivistinnen aus den 500 Ortsgruppen ausschließlich auf die digitalen Medien als Protest- und Kommunikationsmittel. Damit wurden erstmalig seit dem Anfang der Proteste im Januar 2018 die als Schulstreiks firmierten Demonstrationen und öffentlichen Veranstaltungen eingestellt. In den sozialen Netzwerken, den Messenger- und Kurznachrichtendiensten sowie auf Videoplattformen artikulierte sich auf vielfältige Weise der Protest in Text-, Bild- und Videobeiträgen. Insbesondere der sogenannte „Netzstreik für’s Klima“ im April erzeugte unter prominenter Beteiligung eine breite mediale Resonanz. Vor dem Deutschen Bundestag platzierten die Aktivist*innen tausende Plakate um den Schriftzug „#FIGHT EVERY CRISIS“. Die Botschaft klar und unmissverständlich: Der Kampf gegen den Klimawandel muss – wie im Kampf gegen das Corona-Virus – mit derselben Vehemenz und Intensität geführt werden. Unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes und mit Mund-Nasen-Schutz demonstrieren mittlerweile in mehreren Städten wieder die ersten Ortsgruppen der „Fridays for Future“-Bewegung. Das ist kaum verwunderlich, denn die digitalen Medien können zwar die Protestformen ergänzen, erweitern und teilweise auch ersetzen, aber der Offline-Protest ist für die Aufrechterhaltung des politischen Drucks und die Erzeugung von Aufmerksamkeit über die klassischen Massenmedien von grundlegender Bedeutung.

Demonstrationszug der Fridays-for-Future-Bewegung in München
© Fridays for Future Deutschland

Kontinuität und Wandel der Protestkultur

Die „Fridays for Future“-Bewegung, die vorwiegend von Schüler und Schülerinnen im Alter von 14-19 Jahren getragen wird, greift dabei auf bewährte Methoden und Formen des Protestes zurück: Kundgebungen, Märsche, (Sitz-)Blockaden, Sammeln von Unterschriften oder Klagen vor Gerichten gehören seit der Nachkriegszeit zum Repertoire von Protestbewegungen. Neben dem Wandel der Protestthemen in der Bundesrepublik Deutschland veränderte sich in den 1960er Jahren vor allem die Wahrnehmung von Protest(-bewegungen) als legitimer Ausdruck eines freiheitlich-demokratischen Systems. Die Wertschätzung dieser demokratischen Protestkultur illustrieren die Aktivist*innen von „Fridays for Future“ durch das verantwortungsbewusste Handeln in der Corona-Krise. Damit wird das Protestgeschehen der Bundesrepublik Deutschland auch in der Post-Corona-Zeit von der „Fridays for Future“-Bewegung bestimmt werden.

Marcel Schrör

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