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Zukunftsfragen, Netzwerke und Gespräche unterm Sonnenschirm

Projektauftakt „Zukunft der Dörfer“ in Goldenstedt

Zuhörer in der historischen Scheune auf Bredemeyers Hof
Trotz hoher Temperaturen hoch konzentriert: Die Zuhörer*innen in der historischen Scheune von Bredemeyers Hof.

27. August 2019, Bredemeyers Hof in Goldenstedt, Landkreis
Vechta: Trotz sommerlich-heißer Temperaturen sind etwa 110 Personen der Einladung zum offiziellen Projektauftakt „Zukunft der Dörfer“ nach Goldenstedt gefolgt.

In der historischen Scheune wurde nach einer Begrüßung durch den Hausherrn Heinz von Döllen sowie Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt das Universitätsprojekt „Zukunft der Dörfer“ vorgestellt, das bis Sommer 2020 den Rahmen für einen Wissens- und Erfahrungsaustausch der Wissenschaft mit Bürgerinnen und Bürgern der Region „auf Augenhöhe“ schafft; Ein Austausch über Zukunftsthemen, die nah an den Lebenswelten der Menschen im Oldenburger Münsterland sind, und die sie durch ihr Engagement vor Ort mitgestalten.

Die Akteure der Auftaktveranstaltung: Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt, Gisbert Strotdrees, Dr.in Swantje Eigner-Thiel, Simone Israel, Bernd Reinke, Christine Lorenz-Lossin, Lilly Bramlage und Bürgermeister Willibald Meyer
Universitätspräsident Prof. Dr. Burghart Schmidt, Gisbert Strotdrees, Dr.in Swantje Eigner-Thiel, Simone Israel, Bernd Reinke, Christine Lorenz-Lossin, Lilly Bramlage und Bürgermeister Willibald Meyer

In seinem Impulsvortrag „Das Dorf im Wandel“ verdeutlichte der Journalist und Autor Gisbert Strotdrees aus Münster die Notwendigkeit, das eigene Umfeld kritisch zu hinterfragen, um sich neuen Entwicklungen gegenüber zu öffnen und diese aktiv zu unterstützen. Er zeigte dabei aber auch Risiken auf: „Das hohe Engagement der Bürgerinnen und Bürger in und für „das Dorf“, für die Bauerschaft – das ist eines der besonderen Merkmale des ländlichen Raumes, auch im 21. Jahrhundert. Solche Formen des Engagements entstehen nicht von alleine. Sie müssen aufgebaut und gepflegt werden. Das Ehrenamt darf aber nicht zum Lückenbüßer eines Staates werden, der sich aus der kommunalen Daseinsvorsorge zurückzieht und das mit der Einrichtung von „Heimatministerien“ garniert.“ Strotdrees wies abschließend auf ein Beispiel dörflichen Engagements hin, das sich in Eigeninititative und vielen geleisteten Arbeitsstunden um ein Dorfgemeinschaftshaus reicher gemacht hat. Den kompletten Artikel zu „Ein Dorf baut sich eine Mitte“ (Online-Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Wochenblattes für Landwirtschaft und Landleben, Münster) lesen Sie hier.

Dr.in Swantje Eigner-Thiel, Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Göttingen, stellte anschließend in ihrem Vortrag „Mitten drin statt nur dabei!“ das Modell Dorfmoderation vor. Die Ausbildung in Dorfmoderation befähigt Menschen dazu, Dorfentwicklungsprozesse zu initiieren, zu begleiten und in Konfliktfällen auch zu schlichten. Die Wissenschaftlerin beschreibt es so: „Qualifizierte Dorfmoderatoren unterstützen durch die Förderung von Kommunikation in zurückgenommener Weise Prozesse in ihrem Dorf. Die Dorfmoderation ist ein überzeugender Ansatz, der die Lebensqualität der einzelnen Dorfmoderatoren, aber auch für die gesamte Dorfgemeinschaft positiv beeinflussen kann!“ Die Präsentation zum Modell Dorfmoderation mit weiterführenden Informationen von Dr.in Swantje Eigner-Thiel finden Sie hier.

Aufmerksame Zuhörer bei der Diskussionsrunde im Freien
Die kurzerhand ins Freie verlegte Diskussionsrunde fand viele interessierte Teilnehmer*innen.

In der Gruppendiskussion „Vom Leben auf dem Land: Probleme, Visionen. Potenziale“ kamen dann neben den beiden Referierenden drei in Goldenstedt Lebende und Schaffende zu Wort, die aus ihrer Perspektive Landleben beschrieben: Lilly Bramlage (Vorsitzende des Goldenstedter Jugendparlaments), Bernd Reinke (Gründer der Senioren-WGs Ellenstedt) und Willibald Meyer als langjähriger Bürgermeister Goldenstedts gestalteten die Diskussion lebendig und unterhaltsam. Die anwesenden Teilnehmer*innen brachten sich aktiv und interessiert ein.

Infostand auf dem Markt der Möglichkeiten
Angeregte Gespräche auf dem Markt der Möglichkeiten.

Danach war die Bühne eröffnet für den „Markt der Möglichkeiten“: Goldenstedter Gruppen, Initiativen und Vereine präsentierten ihr Angebot vielfältig und ansprechend. Forschende und Lehrende der Universität Vechta kamen mit ihren Projekten zur Region, boten Gespräche und Austausch an. Menschen aus der Region, oftmals ehrenamtlich engagiert in Rat, Verwaltung und Vereinen trafen sich im Gespräch mit Wissenschaftlern der Universität, knüpften Kontakt und fanden neue regionale Netzwerke.
Die Gemeinde Goldenstedt lud zum Imbiss ein und Lickin‘ Blue, eine Formation der Kreismusikschule Vechta, rahmte das Programm musikalisch. Nicht zuletzt trug das spätsommerliche Ambiente im Industriedenkmal Bredemeyers Hof dazu bei, dass diese Auftaktveranstaltung bei allen Teilnehmenden großen Anklang fand und von Vielen als sehr gelungen bezeichnet wurde.

SI

Bilder der Auftaktveranstaltung von Heino Muhle, Goldenstedt.