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Leitplanken der Dorfentwicklung – Bürger*innen diskutieren mit Fachleuten über Baukultur auf dem Land

Zu einem Werkstattgespräch über regionale Baukultur und ihre Bedeutung für Dorfgemeinschaft und Regionalentwicklung waren am 9. März 2020 rund 40 engagierte Diskussionsteilnehmer*innen ins historische Ackerbürgerhaus Vörden gekommen. Eingeladen hatte das Projekt Zukunft der Dörfer der Universität Vechta neben interessierten Bürger*innen eine Reihe von Fachleuten wie Architekten, Denkmalpfleger und Vertreter der Kommunen: Anne Kampsen von der Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V., Kerstin Stölken, Projektleiterin beim Monumentendienst, Dr. Michael Schimek vom Museumsdorf Cloppenburg sowie den Architekten Hermann Dunkler-Gronwald und Andreas Wegmann vom Planungsamt des Landkreises Cloppenburg.
Was tun mit historischer Baukultur: dem Zahn der Zeit überlassen, neue Nutzungskonzepte entwickeln oder ab ins Museum? Und wie kann modernes ländliches Bauen aussehen? Einig waren sich alle darüber, dass eine nachhaltige bauliche Entwicklung der Dörfer vorausschauende Konzepte und einen sensiblen Umgang mit ortsbildprägenden Gebäuden braucht. Gefordert wurde ein „Tempolimit“ für gestalterische Prozesse: „Nicht alles, was technisch und finanziell machbar ist, muss sofort umgesetzt werden“, so einer der Teilnehmer. Viele wünschen sich eine engere Einbindung und mehr Mitsprache in der kommunalen Bauplanung. Hermann Dunkler-Gronwald, Architekt und langjähriges Mitglied eines Gemeinderates, sprach sich für mehr Zivilcourage aus: „Es gilt Flagge zu zeigen und auch Investoren gegenüber selbstbewusst aufzutreten!“ Gestalterische Fragen seien oft Verhandlungssache. Umfassende Information und Sensibilisierung für regionale Besonderheiten und Ortsgeschichte müssten Planungsprozessen vorausgehen. Als Bildungs- und Lernorte der Baukultur seien hier vor allem auch Schulen und Museen gefordert, so Dr. Michael Schimek, stellvertretender Museumsdirektor und Leiter der bauhistorischen Abteilung im Museumsdorf Cloppenburg. „Wo gibt es das Forum, unsere Ideen einzubringen?“ fragte Pastor Anderson Kopp von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Vörden. „Der Ruf nach einem B-Plan für Vörden wäre doch ein wunderbares Ergebnis dieses Abends.“

Die Teilnehmer*innen am Werkstattgespräch „Baustelle Dorf“ verfolgten aufmerksam die Diskussion im gut gefüllten Vördener Ackerbürgerhaus. (Foto: M. Schrör)

Die zweistündige Diskussion zeigte deutlich, dass die Menschen in der Region aktuelle Entwicklungen genau verfolgen und mitgestalten möchten. An politisch Verantwortliche, gemeinnützige Vereine und Bildungseinrichtungen richtete sich der Appell, auch „gesellschaftliche Kostenfaktoren“ mit zu bedenken, ökologisch verträglich und nachhaltig zu planen. „Wo allein der persönliche Geschmack entscheidet, verliert der Ort sein Gesicht.“ Daher brauche es „Leitplanken der ästhetischen Gestaltung“ und grundsätzliche Gestaltungsvorgaben. Bei entsprechender gesellschaftlicher Anerkennung und Wertschätzung, zum Beispiel durch Wettbewerbe für besonders gelungene Sanierungs- und Gestaltungsprojekte, seien sicher noch mehr Menschen von der Bedeutung regionaler Baukultur für Wohn- und Lebensqualität zu überzeugen. Als hilfreiches Angebot schätzten die Teilnehmer*innen das Werkstattgespräch: Unabhängige, externe Beratung und Begleitung könne helfen, Diskussionen sachlich und konstruktiv zu führen – für die persönliche und gemeinschaftliche Zukunftsgestaltung.